Schwetzingen - Europäisch elegant (07.07.2003)

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... überbremsen leicht, der grüne Teppich wirft Falten, das Publikum applaudiert. Punktlandung in Schwetzingen. Bob Gathercole, Veranstalter des European Concours d'Elégance, hat es zum dritten Mal geschafft, einen automobilen Schönheitswettbewerb der ganz europäischen Art hinzulegen: Gediegen aber nicht überheblich, elegant aber nicht arrogant. Eine schwierige Gratwanderung, wenn man im Rokoko-Garten des Schwetzinger Schlosses knapp 150 Autos im Gesamtwert von 35 Millionen Euro unterbringen muss. 12 Klassensieger gilt es zu küren, 15 Spezialpreise sind zu vergeben.

Traditionell steht ein Hersteller als "favoured marque" alljährlich im Mittelpunkt, diesmal traf es Alfa Romeo. Die Schwetzinger Armada an 6C, 8C in allen Karosserievarianten und verschiedenen Nachkriegsautos sieht man jenseits von Mailand nur selten. Unter den 30 Exponaten waren ein RL3 von 1923, ein RLSS Targa Florio von 1924, ein 2900MM Corsa Spider von 1936, ein Tipo 33 Stradale von 1967 und ein 1900CSS Zagato Coupé von 1955.

Von rot auf grün wechselte die Farbe der Autos direkt vor dem Haupteingang. Jaguar hatte den harten Kern der Raubkatzensammler aktiviert und zusätzlich seine hauseigene Heritage Collection mitgebracht. Dieses Ergebnis allein war nicht nur für Jaguar- und Daimler-Fans bereits eine längere Anreise wert. Die Zeitreise aus Coventry begann mit dem ersten königlichen Daimler von 1899 und steigerte sich über SS1 Sports Coupé von 1932 , SS100 (inklusive der Saoutchik-Variante) , C-Type, D-Type, E-Type Competition bis zum XJ13. Die richtige Faszination begann allerdings erst bei der Preisverleihung als selbst die sonst leistungsstarke Lautsprecheranlage vor dem ungedämpften Motorenlärm kapitulierten musste…

Für Bentley-Fahrer und -Fans ist der European Concours fast schon zum Pflichttermin geworden. Hierhin kommen nicht nur die Modelle aus Crewe und Derby, sondern auch die unter der Regie von W.O. Bentley selbst hergestellten, legendären Autos aus Cricklewood, deren Bezeichnung sich meist in der Angabe des Hubraums erschöpft: 3 Litre, 4,5 Litre, Speed Six und 8 Litre. Als absolute Hingucker erwiesen sich das 1951 von Facel Vega-Gründer Jean Daninos als Unikat entworfene MkVI Facel-Metallon Coupé und der Nachbau des berühmten "Blue Train Bentley". Bentley-Direktor Woolf Barnato hatte sich das geduckte Weymann-Coupé 1930 anfertigen lassen, nachdem er auf einer Party etwas vorlaut eine Wette abgeschlossen hatte. Er behauptete frech, mit einem Bentley schneller von Cannes nach London fahren zu können als der Blue Train, seinerzeit immerhin der schnellste Zug Europas. Der Erfolg gab ihm recht: Obwohl er Cannes erst nach Abfahrt des Zuges verlies, feierte er bei dessen Ankunft im Londoner Hauptbahnhof schon seit vier Stunden! Diese Geschichten von kernigen Männern erzählt man sich in Bentley-Kreisen immer wieder gern.

Der European Concours als Sammelbecken totrestaurierter Hochpreis-Klassiker? Keineswegs. Es gibt eine eigene Klasse für unrestaurierte Originalfahrzeuge und überall finden sich auch Großserienautos, teilweise dann in interessanten, seltenen Varianten: Fiat 1100 TV Spider, Lloyd Alexander Frua Coupé, Opel Kadett A Italsuisse Spider, Glas 1700 und NSU 10/52 Roadster von 1930.

Man muss kein oberflächlicher Schöngeist sein, um den Concours d'Elégance faszinierend zu finden. Die Atmosphäre ist entspannt, die Fahrzeugauswahl einzigartig, das Areal weitläufig, das Ambiente passend und die Aussteller (auch die der Oberklasse-Fahrzeuge) meist locker und auskunftsfreudig. Über Ersatzteilprobleme, Benzinkosten und Werkstattfehler kann man immer noch an 51 anderen Wochenenden im Jahr reden.