Kleines Land, große Messe (12.03.2002)

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Rétromobile verpasst, für die Techno Classica keine Zeit? Die Lösung heißt Antwerp Classic Salon. Vom 1. bis 3. März zeigten die Belgier wieder, dass die besucherstärkste Messe im Benelux-Bereich ihren guten Ruf nicht ganz zu Unrecht trägt, an jeder Ecke merkt man die Handschrift der SIHA als einem der erfahrendsten Veranstalter der Szene.

Viele Merkmale der Techno Classica fanden sich deshalb auch im Antwerpener Bouwcentrum wieder, allerdings in komprimierter Form. Da waren zum Beispiel die oft liebevoll und mit viel Phantasie gestalteten Clubstände, von denen der originellste mit einem Preis bedacht wurde. 

Und die Clubs hatten sich ins Zeug gelegt: Die Porsche 356 Vereinigung erinnerte an James Dean und dessen tragischen Tod im 550RS, der Citroen CX Club fing gleich da an, wo die Kollegen von Porsche aufhörten und präsentierte einen CX in himmlischer Umgebung, komplett mit Watte-Wolken, Engelchen, Kerzenleuchtern und Sphärenklängen. 

Als einziger Hersteller hatte Audi verschiedene Fahrzeuge nach Belgien transportiert und präsentierte in einem eher schmucklosen Ambiente den 16-Zylinder Auto Union Rennwagen, den Le Mans-Gewinner RS8 vom letzten Jahr, den Pikes Peak Rallye-Quattro sowie verschiedene Vorkriegsmodelle inklusive eines Horch mit schwungvoller Erdmann&Rossi Karosserie.

Das Angebot an Komplettfahrzeugen zeigte, dass die Händler im kleinen Belgien das große Geld vermuten. Mit dem Angebot an Vorkriegs-Lagondas, Invictas und Bentleys ließ sich schon ein kleineres Starterfeld für den Oldtimer Grand Prix zusammenstellen, das gleiche gilt für den Nachkriegsbereich, hier bot einer der Händler gleich mehrere rennfertige Giulias inklusive GTA an.

Weniger rennsporttauglich aber höchst elegant war das Bentley 3,5 Litre Pillarless Coupé aus den 30er Jahren, das bei Frank Dale & Stepsons zu sehen war. Die Eleganz der fehlenden B-Säule, von Mercedes als besonderes Stylingmerkmal des neuen CLK gern erwähnt, hatten die Engländer bereits vor über 60 Jahren erkannt.

Günstige Alltagsklassiker zum Mitnahmepreis blieben die Ausnahme, schon wegen der Standmieten waren die Profi-Händler meist unter sich. Ein Trend bestätigte sich in Antwerpen übrigens ein weiteres Mal: Die Faszination des unrestaurierten Autos.

Da war der Pagoden -SL aus erster Hand mit verwittertem beigefarbenen Erstlack und rissigen Ledersitzen, das Jaguar XK150 Cabrio, dem die kalifornische Sonne den Erstlack mit Erfolg fast bis aufs nackte Blech heruntergebrannt hatte und das BMW 503 Coupé im grundierten Rohzustand für 9800 Euro. Nicht gerade wenig, dafür sah der Interessent, dass die Blechsubstanz als größter Schwachpunkt dieses Modells in Ordnung war.

Teile und Literatur gab es natürlich auch und nicht gerade wenig, Kistenwühler und Schnäppchenjäger können sich den Weg nach Antwerpen allerdings sparen, die meisten Anbieter wissen, was sie haben und was sie dafür verlangen können.

Wer auf den frankophilen Einschlag der Rétro verzichten kann, ist beim Classic Salon gut aufgehoben, wer allerdings für den April ohnehin einen Besuch auf der Techno Classica eingeplant hat, kann sich die Fahrt sparen.

Link zum Thema: www.siha.de